J. S. Bach: Mattheus Passion BWV 224

 

Edit Károly, Krisztina Jónás - Sopran
Atala Shöck - Alt
Péter Drukker - Tenor
István Kovács - Bass
Gábor Kállay - Evangelist

István Kovács - Jesu
Zoltán Megyesi - Peter
Róbert Rezsnyák - Pilatus
Szilveszter Ókovács - Judas
Krisztián Cser - Kaiphas

Vokalensemble CantuS CorvinuS
Dr. Géza Klembala - Leitung
Aufnahme: 18. April 2000, Lutry, Schweiz
 

 

 

 

Mattäus Passion CD Civer

 

"In der Pfarrkirche Zermatt trat in dieser Karwoche unter der Leitung von Géza Klembala Das Ensemble CantuS CorvinuS aus Budapest mit der <<Matthäus-Passion>> von Johann Sebastian Bach auf. Wenn diese Aufführung auch als Beitrag zum <<Bachjahr 2000>> angesehen werden kann - am kommenden 28. Juli werden 250 Jahre seit Bachs Hinschied vergangen sein -, so war sie doch ein kulturelles Grossereignis, das Gästen und Einheimischen Musik von Weltrang und die Möglichkeit der Besinnung auf Wesentliches bieten wollte.  
Die Aufführung des grossartiges Kunstwerkes dieser Passion wurde den Anwesenden in einer eigentlich barocken Aufführungspraxis entsprechenden Weise angeboten.
Chor eins bestand aus nur zwölf, Chor zwei aus acht Stimmen und der <<Knabenchor>>-Part (Cantus Firmus) des Eingangsteil der Passion wurde von drei Frauen gesungen. In dieses Bild Passte auch das kleine Orchester unter Konzertmeister Balázs Bozzai. Neben Streichern, Oboisten usw. standen darin für Continuo- und Generalbass-Spiel ein Cembalo und ein Orgelpositiv zu Verfügung. Schon aus dieser Anordnung wird deutlich, dass man sehr durchsichtiges und klares musizieren erleben konnte. Bach selbst musste sich am 11. April 1727, als er die <<Matthäus-Passion>> in der Thomaskirche zu Leipzig erstmals aufführte, mit einer vergleichbar kleinen wenn nicht kleineren Besetzung begnügen - die Teils auch noch von bedenklicher Qualität war.
Ein kleines Ensemble wie CantuS CorvinuS hat heute den Vorteil, erstklassige und professionelle Sängerinnen und Sänger und auch Instrumentalisten engagieren zu können. Die Aufführung in Zermatt stand auf hohem Niveau, vor allem liessen die beiden Chören wenig zu wünschen übrig. Dynamisch überbetont waren einzig einige Choräle die man manchmal etwas betrachtender und <<frommer>> hätte gestalten können. Die Chöre sangen aber rein, sehr flexibel der geradezu unglaublichen Vielfalt dieser Musik in hohem Masse entsprechend. Trotz der kleinen Sängerzahl wurde in den Turba-Teilen der Passion erhebliche Lautstärke und Ausduckskraft erreicht.
Auch die entscheidenden Solostimmen waren sehr gut bestezt. Der Evangelist (Tenor), Jesus (bass) und die erste Sopranistin bildeten im Solistenteam eine Spitzengruppe. Der Mezzo-Sopran, die zweite Sopranistin und der Tenor beeindruckten vor allem in einer schönen Mittellage. Beim Tenor waren etwas forcierte Tönen, bem Mezzo-Sopran und bei der zweiten Sopranistin gelegentliche Härten festzustellen. Wenn auch die Vokalsolistische Leistung gesamthaft sehr gefiel, so war doch der <<ungarische Ton>> in der Aussprache der Deutschen Texte nicht zu überhören. Nun, das Gesamterlebnis wurde dadurch nicht geschmälert. Jesu über dem bekannten Streicher-<<Heiligenschein>> gesungene Worte wirkten wunderbar, der Evangelist sang bis in höchste Höhen mühelos und lebendig, die vielen Innigen und betrachtenden da capo gesungenen Arien und betrachtenden Einschübe der verschiedenen Solisten, natürlich auch gewaltige Eingangschor <<Kommt, Ihr Töchter, helft mit klagen>> und der Schlusschor <<Wir setzen uns in Tränen nieder>> verhelften ihre Wirkung nicht. Die grossartige Ausdrucksvielfalt Bachs bei bestimmten Wörtern wie <<weinen>>, <<kreuzigen>>, die Naturnachahmungen bei <<Schlange>> beim <<Erdbeben>>, bei den <<Blitzen>>, beim Zerreissen des Tempelvorhanges kam voll zur Geltung. Dirigent Klembala grenzte die drei Teile des Werkes, den Evangelientext, die von Bach harmonisierten Choräle und die von dem mit dem Meister befreundeten Herrn Picander geschaffen übrigen Texte und Verse klar gegen einander ab."  

 Quelle: Walliser Bote 22.04.2000 Zermatt